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Familie: |
(Larentiinae 3) | |||
Mit 196 Arten sind die Larentiinae die größte Spanner-Unterfamilie in Baden-Württemberg. 70 werden in der aktuellen Roten Liste geführt, von denen sind 6 bereits ausgestorben (RL 0) und 16 (RL 1) stehen wohl kurz davor. | |||
Die beiden Operophthera-Arten haben verkümmerte Saugrüssel und nehmen keine Nahrung auf. Die Weibchen sind flügellos. Der Kleine Frostspanner ist unsere weitaus häufigste Spanner-Art und als "Schädling" in Obstkulturen und Laubwäldern bekannt. Die Falter schlüpfen ab Mitte Oktober bei dauerhaften Bodentemperaturen von unter 5°C noch vor den ersten Frostnächten und fliegen in der Regel vier Wochen, bei Unterbrechungen durch Frost auch bis Anfang Januar. |
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Die Art bevorzugt keinen speziellen Lebensraum, sie lebt überall dort, wo die Raupennahrung vorkommt, also praktisch überall mit Ausnahme von reinen Wiesen- und Ackerflächen. In neuen Obstanlagen inmitten von Wiesenlandschaften erfolgt eine Besiedlung jedoch schon im dritten/ vierten Jahr. Die Raupen leben meist von April bis Juni an vielen Laubgehölzen - über 100 Arten von Nahrungspflanzen sind bekannt. Die Ausbreitung der Art geschieht gewissermaßen per "Luft-Taxi" durch Verdriftung der Jungraupen an selbst produzierten Spinnfäden. |
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Der Buchen-Frostspanner fliegt im November/ Dezember in lichten Buchenwäldern bzw. in Laubwäldern mit hohem Buchen-Anteil und deren Randbereichen, durchaus auch an isoliert stehenden Birken-Gruppen. Die Raupen leben im Mai/ Juni an Rotbuche (Fagus sylvatica) und an Birke (Betula spec.). |
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Die drei Herbstspanner-Arten der Gattung Epirrita sind sehr variabel und nach äußerlichen Merkmalen nicht voneinander zu unterscheiden. Das ist auch bei den Raupen der Fall, so dass wir hier keine Unterscheidung vornehmen und von "Herbstspanner (Epirrita spec.)" sprechen. Die Falter fliegen von September bis November in den wärmeren Laubwaldgebieten der Tallandschaften und des Hügellandes, auch im Kulturland. Epirrita christyi ist laut Literatur in den Jura- und |
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Muschelkalkgebieten wohl die häufigste Art der Gattung, Epirrita autumnata fehlt angeblich bei uns ganz. Aufgrund erster Untersuchungen im Jahr 2014 konnten jedoch alle drei Arten im Zollernalbkreis nachgewiesen werden. Dabei zeigte sich, dass Epirrita dilutata wenigstens in den Untersuchungsgebieten im Albvorland die häufigste Art zu sein scheint. Nähere Informationen finden Sie hier. Die Raupen sind ab dem Laubaustrieb bis in den Mai an verschiedenen Laubbäumen und -sträuchern zu finden. Etwaige artspezifische Unterschiede bei den Nahrungspflanzen sind noch nicht ausreichend untersucht. |
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Der Wolfsmilchspanner ist mit seiner Wirtspflanze, der Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias) über das ganze Land verteilt. Wegen seiner unauffälligen Färbung und der geringen Größe wird er gleichwohl oft übersehen. |
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Asthena albulata ist ein sehr kleiner Falter, der von April bis August in artenreichen Laubwäldern und mosaikreichen Landschaften mit Gärten, Streuobstwiesen und Laubmischwaldbeständen fliegt. Die Raupen leben von Sommer bis Herbst an Laubbäumen, besonders Hainbuche (Carpinus betulus), Rotbuche (Fagus sylvatica), Eiche (Quercus spec.), Birke (Betula spec.) und Hasel (Corylus avellana). |
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Laut EBERT scheint ein zusammenhängendes Verbreitungsgebiet nur im Oberrheinischen Tiefland zu bestehen. Allerdings gibt es seit der Jahrtausendwende auch von dort erst wenige Nachweise. Der erste Falter von 2016 in Owingen stellte also zunächst eine wirkliche Überraschung dar: Eine erneute Art, die wärmeliebend ist und ein Hinweis auf die Klimaänderung sein mag. |
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Der Erlengebüsch-Spanner fliegt in zwei sich überlappenden Genrationen von Mai bis August in feuchten Wäldern mit Schwarz- und Grau-Erlen, in Erlen-Bruchwäldern, Erlen-Eschen-Auen und auch in gepflanzten Beständen. Die Raupen leben von Juni bis September an Grau-Erle (Alnus incana) und Schwarz-Erle (Alnus glutinosa). |
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Der Verbreitungsschwerpunkt von Hydrelia sylvata liegt im Alpenvorland, im restlichen Land ist diese Art nur spärlich vertreten. Die Falter fliegen in einer Generation von Mai bis Ende August. Da sie seither nur am Licht gefunden wurden, ist deren ökologische Zuordnung schwierig. In anderen Gebieten scheint jedoch eine Vorliebe für Erlengehölze zu bestehen. Die Raupen leben wohl von Juli bis September an Erlen (Alnus spec.) und an Hasel (Corylus avellana). |
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Dieser charakteristisch gefärbte, kleine Falter fliegt in einer Generation von Mai bis Juli in trockenen und feuchten Lebensräumen: Wälder, Gebüsche, felsige Halbtrockenrasen und Wacholderheiden sind ebenso darunter wie Eichen-Hainbuchenwälder und reine Buchenwälder. Die Raupen sind von Juli bis September vorwiegend an Erle (Alnus spec.) und Ahorn (Acer spec.) zu finden. |
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Venusia blomeri ist in Baden-Württemberg auf nur wenige Gebiete beschränkt. Die Falter fliegen in einer Generation von Juni bis August in Schluchtwäldern, schattigen Hangwäldern auf sickerfeuchten, nährstoffreichen Böden sowie in kühl-humosen Buchen-Tannenwäldern mit Bergulmen-Vorkommen. Die Raupen leben wohl von Juli bis Oktober an Bergulme (Ulmus glabra), evtl. auch an Feldulme (Ulmus minor). |
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Der Kleine Kreuzdornspanner kommt in Baden-Württemberg hauptsächlich auf der Alb und im Vorland sowie in den Muschelkalk- und Keuperlandschaften vor. |
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Die Raupen leben im Mai/ Juni an Kreuzdorn (Rhamnus cathartica). |
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Der Große Kreuzdornspanner lebt wie die vorige Art in Baden-Württemberg vor allem in den Jura- und Muschelkalkgebieten der Schwäbischen Alb und des Neckar-Tauberlandes. Die Falter fliegen in einer Generation von Juni bis August. Die Raupen leben im Mai ebenfalls am Kreuzdorn (Rhamnus catharticus). |
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Hydria undulata ist eine Art kühler, submontaner bis montaner Nadelwälder. In Baden-Württemberg ist er flächenhaft im Schwarzwald und im Alpenvorland verbreitet, aktuelle Nachweise von der Schwäbischen Alb fehlten seither. |
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Die Raupen leben im August/ September an Salweide (Salix caprea) und anderen Weiden-Arten, vielleicht auch an Heidelbeere. Die Puppe überwintert. |
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Hydria cervinalis fliegt bei uns wohl nur in einer Generation von März bis Juni in verschiedenen Lebensräumen, wo Berberitze als Raupen-Nahrungspflanze vorkommt - auch als Kulturfolger an Garten-Arten. Die Falter saugen an Weidenkätzchen, gerne auch an Salweide (Salix caprea). Die Raupen leben von Mai bis Juli an Berberitze (Berberis vulgaris und thunbergii), wohl auch an der Form atropurpurea. |
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Triphosa dubitata überwintert gerne in Höhlen, Tunnels usw., kommt aber überall im Land vor. Er fliegt in einer Generation von Juli überwinternd bis Mai des Folgejahres in strukturreichem Kulturland mit Gärten, Streuobstwiesen, Hecken und Gebüschen, Waldrändern und Vorgehölzen - auch in Friedhöfen und Parks. Die Raupen leben im Juni an Kreuzdorn (Rhamnus catharticus). |
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Der Kleine Berberitzenspanner kommt überall dort vor, wo die Berberitze ihren natürlichen Verbreitungsschwerpunkt hat. Damit ist er im Zollernabkreis eher selten. Die Falter fliegen in zwei Generationen von April bis Juni und von Juli bis September im Bereich von Waldrändern der Hartholzaue und lichter Eichen- und Kiefernwälder, im Jura- und Muschelkalkgebiet auch in Schlehen-Berberitzen-Gebüschen. Neu hinzugekommen sind Siedlungsgebiete mit der als Hecke gepflanzten japanischen Berberis thunbergii. Die Weibchen legen die Eier an der Berberitze (Berberis vulgaris und thunbergii) ab, wohl auch an der roten Form B. thunbergii atrorubens. |
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Die Spanner der Gattung Horisme sind weitgehend von der Waldrebe als Raupen-Nahrungspflanze abhängig - Horisme vitalbata heißt schon nach ihr. Die Falter fliegen in ein bis zwei sich teilweise überlappenden Generationen von April bis August an den Rändern von Laubmischwäldern, Hecken und Gehölzstreifen, an Böschungen, Wacholderheiden, Magerwiesen, auch in Bach- und Flussauen und im Siedlungsbereich. |
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Die Raupen leben im Juni/ Juli und August/ September an der Waldrebe (Clematis vitalba), aber auch an Clematis-Gartenformen. |
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Erst in den 1980er-Jahren wurden Horsime radicaria und tersata als zwei verschiedene Arten erkannt. Sie sind sich sehr ähnlich und, besonders im nicht mehr ganz frischen Zustand, nach äußerlichen Merkmalen nicht eindeutig zu trennen. Von den gezeigten Faltern gehören wohl die meisten zu Horisme tersata, die mit den "zweifarbigen Ecken" sind vermutlich Horisme radicaria zuzuordnen, jedoch anhand der Fotos nicht eindeutig bestimmbar. Die Raupe lebt zwischen Mai und Oktober an der Waldrebe (Clematis vitelba), aber auch an Geißblatt-Arten (Lonicera spec.). |
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Der einfarbige Waldrebenspanner wurde bis in die 1970er Jahre als extrem selten und gefährdet eingestuft. doch dann stellte sich heraus, dass die Art auf der Schwäbischen Alb, besonders auf der Mittleren Kuppenalb und auf der Südlichen Flächenalb weiter verbreitet und wohl auch nicht gefährdet ist. Trotzdem war der Nachweis vom Plettenberg 2016 der erste im weiten Umkreis. |
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Auch der Sturmvogel ist, wie die Arten der Gattung Horisme von der Waldrebe als Raupen-Nahrungspflanze abhängig. Seinen Namen erhielt er angeblich wegen der stürmischen Flugweise der Männchen. Die Falter fliegen in ein bis zwei Generationen zwischen Mai und August/ September im Bereich von Auengebüschen, Busch- und Waldrändern, an Waldlichtungen, Hecken und Ruderalflächen, auch im Siedlungsbereich. |
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Die Hauptverbreitung des Gilbweiderich-Spanners in Baden-Württemberg liegt in der Oberrheinebene und in Oberschwaben. Aus dem Zollernalbkreis lag seither auch in weiterem Umkreis noch keine Beobachtung vor. Die Raupe lebt im Juli und wieder im August am Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris). Sie sitzt tagsüber kopfunter an der Blattunterseite oder am Stängel und verrät ihre Anwesenheit nur durch ihren charakteristischen Lochfraß. |
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Das "Kaminfegerle", wie dieser Falter bei uns auch genannt wird, hat als einzige einheimische Spannerart vollkommen schwarze zeichnungslose Flügel. Nur die Vorderflügelspitzen sind weiß, solange die Tiere noch frisch sind. |
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Mesotype didymata ist ein Bewohner der kälteren Gegenden in Baden-Württemberg. Die Falter fliegen schon am späten Nachmittag hauptsächlich im Juli/ August bevorzugt in feuchten lichten Bergwäldern, insbesondere solche mit Heidelbeer-Massenbeständen. Die Raupen sind am Mai/ Juni an Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), Fuchs' Greiskraut (Senecio fuchsii) und Gelbem Enzian (Gentiana lutea) zu finden. |
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Mesotype parallelolineata war in fast allen Naturräumen des Landes vertreten. Bis auf wenige Restvorkommen hat sich die Art zwischenzeitlich wohl auf die kontinentaleren, kühleren Landesteile zurückgezogen, so dass man bei dieser Art von einem "Klima-Verlierer" sprechen könnte. Die Falter fliegen in einer Generation im August/ September in frischen bis feuchten Brachfluren und Säumen in der Nähe von Feldgehölzen, an Waldrändern oder auf Lichtungen, aber auch an trockeneren gehölzreichen Berghängen, in denen kleine staunasse Quellfluren auftreten. |
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Perizoma affinitata hat den Verbreitungsschwerpunkt in den kühl-feuchteren Lagen des Schwarzwaldes und der Schwäbischen Alb sowie des Vorlandes. Die Falter fliegen in einer Generation im Mai, in einer unvollständigen zweiten Generation auch bis August im Bereich von kühl-feuchten Waldgebieten und Hochstaudenfluren entlang von Gehölzstrukturen, auch im Siedlungsbereich. |
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Die Raupen leben im Sommer in den Kapseln der Roten Lichtnelke (Silene dioica). Die Puppe überwintert. |
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Diese Art ist der häufigste Kapselspanner in Baden-Württemberg. Die Falter fliegen von Juni bis August auf Lichtungen und an Waldrändern der verschiedensten Waldtypen, in Heckenlandschaften, reich strukturierten Kulturland sowie naturnahem Gärten und Parks. |
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Die Verbreitung von P. bifaciata ist durch das Vorkommen der Raupennahrungspflanzen vorgegeben. Als wärmeliebende Art kommt sie damit in Baden-Württemberg nur sehr lokal vor. |
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Die Falter fliegen in einer Generation im August in einer Vielzahl von Lebensräumen. Nachdem die Raupennahrungspflanzen vor allem im Bereich von Brachen, an Wegrändern und Böschungen und anderen Saumstandorten vorkommen, werden solche Habitate bevorzugt. Aber auch Extensivweiden werden offenbar genutzt. |
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P. blandiata ist auf der Schwäbischen Alb und im Schwarzwald verbreitet. Die Falter fliegen in einer Generation im Juli/ August auf Magerrasen, an Böschungen sowie an Erd- und Schotterwegen mit größeren Augentrost-Beständen. Als Falter-Nahrungspflanze sind Hügel-Meister (Asperula cynanchica) und Thymian (Thymus spec.) bekannt. Die Raupen leben im August/ September an Augentrost (Euphrasia officinalis). |
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Wie der Namen schon andeutet, ist der Klappertopf-Kapselspanner eine Charakterart der Rasengesellschaften mit Klappertopf-Vorkommen - egal ob es Mähwiesen, Weiden oder Brachestadien sind. Die besten Vorkommen liegen allerdings im Bereich der einschürigen Magerwiesen und Magerweiden. Die tagaktiven Falter fliegen von Mai bis Juli, die Raupen leben von Juni bis August am Zottigen und am Kleinen Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus bzw. minor). |
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Im Grundlagenwerk von EBERT ist unter dem deutschen Namen "Enzian-Kapselspanner" nur die Art Perizoma obsoletata vermerkt. Perizoma juracolaria war lediglich aus Frankreich bekannt. Nachdem diese Art jedoch 2014 für die Schweiz nachgewiesen werden konnte, wurde festgestellt, dass auch die bei uns bekannten Vorkommen des Enzian-Kapselspanners zu dieser wohl neu eingewanderten Art gehören. Damit ist der Neu-Nachweis dieses Falters in Bitz ein echtes "Highlight". |
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Die Falter fliegen im Juni/ Juli im Bereich von mehr oder weniger steilen Weißjura-Hangschuttfluren, wo der Gelbe Enzian (Gentiana lutea) in Saumgesellschaften oder felsigen Magerrasen bzw. am Rand von Felsfluren steht. Der Gelbe Enzian ist auch die einzige von der Alb bekannte Nahrungspflanze der Raupen, die dort im Juli/ August zu finden sind. Die Puppe überwintert. |