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Buchsbaumzünsler - auch im Zollernalbkreis?
Pressemitteilung vom 31. August 2016

Foto: Herbert Fuchs

Foto: Axel Prehl
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Eigentlich war es ja nur eine Frage der Zeit, bis er auch hier auftaucht, denn ringsum ist er z.T. schon seit Jahren nachgewiesen. Jetzt konnte jedoch zum ersten Mal der Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis) sicher im Kreisgebiet nachgewiesen werden: Bei Herbert Fuchs von der AG Schmetterlinge kam in den letzten Tagen ein männlicher Falter nachts ans Licht geflogen.
Der trotz seiner Größe (Spannweite ca. 3,5 cm) zu den Kleinschmetterlingen zählende schwarz-weiße Zünsler war vor 2007 aus Europa gar nicht bekannt. Er wurde möglicherweise mit einem Containerschiff aus Asien eingeschleppt, das eine Ladung Buchsbäume (Buxus sempervirens) an große Baumarktketten liefern sollte. Obwohl die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Tiere von allein nur ca. 5km pro Jahr beträgt, hat sich die Art zwischenzeitlich fast überall in Deutschland und darüber hinaus in weiten Teilen Europas nahezu flächendeckend ausgebreitet.
Nach Auffassung der Spezialisten ist die rasante Ausbreitung fast ausschließlich den Gartencentern und ähnlichen Einrichtungen zu verdanken. Diese verdienen zunächst am Verkauf von ei- oder raupenbesetztem Buchs, danach am Verkauf der (in der Hand von Hobbygärtnern nur sehr begrenzt wirksamen) Bekämpfungsmittel und schließlich am Verkauf der Ersatzpflanzen, nachdem die Hobbygärtner ihren Buchs frustriert heraus reißen.
Dabei ist längst bekannt, dass sich die Natur selbst hilft: Zum einen fressen Spatzen und Meisen die Raupen ab - besonders in der Zeit der Jungen-Aufzucht. Zum anderen entwickeln die befallenen Pflanzen nach dem Neu-Austrieb offenbar einen Geschmacksstoff, der den Neubefall verhindert oder wenigstens verzögert, so dass davon auszugehen ist, dass nur diejenigen Buchsbäume ganz sicher absterben, die vom Besitzer selbst ausgerissen
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worden sind. Herbert Fuchs von der AG Schmetterlinge meint: "Natürlich sehen die abgefressenen Pflanzen nicht gerade schön aus und es spricht auch gar nichts dagegen, wenn man sich wehrt und die Raupen tötet. Doch Panik ist nicht angebracht. Warten Sie geduldig bis zum nächsten Austrieb und sammeln dann erneut die Raupen ab, wenn doch wieder welche auftauchen."
Übrigens: Die Mitarbeiter der AG Schmetterlinge sind an weiteren Beobachtungen innerhalb des Zollernalbkreises interessiert. Kontaktadresse: Naturschutzbüro Zollernalb, E-Mail: info@naturschutzbuero-zollernalb.de.
Weitere Informationen gibt's im Lepiforum unter http://www.lepiforum.de/lepiwiki.pl?Cydalima_Perspectalis.
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Ergänzung vom 17. September 2016:
Am 13. September 2016 fliegt bei Friedemann Treuz ein sehr interessant gefärbter Falter ans Licht, der sich nach seiner kurzen Recherche ebenfalls als ein Falter von Cydalima perspectalis herausstellt - also in der praktisch entgegengesetzten Ecke des Zollernalbkreises, noch dazu auf ca. 900m.
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Foto: Friedemann Treuz
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Update vom 29. August 2017:
Fast ein Jahr lang ist nun Ruhe an der "BBZ-Front" - keine weiteren Meldungen. Dann taucht am 26. August 2017 in Haigerloch-Stetten ein weiterer Falter am Licht auf, der sich jedoch einer "erkennungsdienstlichen Behandlung" durch eilige Flucht entzieht. In der darauf folgenden Nacht kommt erneut einer angeflogen. Diesmal kann eine Belegaufnahme gemacht werden, bevor sich auch dieser Falter verdünnisiert.
In der darauffolgenden Nacht, am 28. August 2017, führen die beiden AG-Mitarbeiter Dirk Mezger und Herbert Fuchs eine Lichtfang-Kontrolle am Muschelkalk-Steinbruch bei Haigerloch-Weildorf durch. Bei dieser Gelegenheit kommen dann gleich 4 Falter angeflogen: Neben einem völlig abgeflogenen Tier zwei "normal" gefärbte und auch eine dunkle Variante. Damit muss klar konstatiert werden: Der Buchsbaumzünsler ist auch im Zollernalbkreis angekommen und man kann gespannt sein, wie die Gartenbesitzer darauf reagieren werden - panisch oder besonnen.
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Foto: Herbert Fuchs, 27.08.2017
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Foto: Dirk Mezger, 28.08.2017
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Foto: Dirk Mezger, 28.08.2017
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Foto: Herbert Fuchs, 28.08.2017
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Ein Jahr später: Update vom 29. August 2018:
Das Jahr 2018 bringt für den Buchsbaumzünsler offenbar den "Durchbruch" im Zollernalbkreis. Wir erhalten zwar keine flächendeckenden Berichte, doch die Anzeichen sind eindeutig:
Am 08. Juni taucht der erste Falter in Haigerloch-Stetten am Licht auf. Bis zum 07. Juli werden danach an derselben Stelle insgesamt 11 Falter registriert. Am 09. Juli wird die erste Raupe gefunden, die sich eine Woche später verpuppt. Am 28. Juli schlüpft der Falter.
In einer ca. 30 cm hohen Buchs-Topfpflanze aus Stecklingsvermehrung werden 4 Raupen gefunden - die Pflanze ist "fertig".
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die erste Raupe - 09.07.2018
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verpuppt - 16.07.2018
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Puppe, andere Ansicht - 16.07.2018
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eine weitere Raupe - 28.07.2018
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(alle Fotos: Herbert Fuchs)
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Vom Lindich bei Hechingen kommt eine Anfrage, wie mit dem Ansinnen in der Nachbarschaft umzugehen sei, die eine "Vergiftung" der Buchsbaumbestände ins Auge fassen möchte.
In einem Hausgarten mitten in Haigerloch Hart haben die Raupen kräftig in einer Buchs-Beeteinfassung gewütet, allerdings ohne diese nachhaltig zu schädigen. Ab Ende Juli schlüpfen die neuen Falter und das Gewächshaus sowie die Bäume und Sträucher der Umgebung sitzen abends voller Falter.
Aus Wessingen kommt Anfang August die Mitteilung, dass die Falter auch dort angekommen seien, aber Raupen seien jetzt keine mehr da.
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Update vom 07. Juli 2023:
Durch eine Anfrage von der Südwest-Presse über die Entwicklung der letzten Jahre veranlasst, haben wir die bei uns in den vergangenen Jahren eingegangenen Zahlen betrachtet und stellen fest: Alles halb so wild und die Bestände scheinen sich einzupendeln.
Am Beispiel eines Hausgartens in Haigerloch-Stetten stellt sich der Verlauf folgendermaßen dar: Nach einem steilen Anstieg und einer regelrechten "Explosion" im Jahr 2019, wo in der letzten August-Woche rund 200 Falter nachts ans Licht geflogen kamen, ist die Anzahl der Beobachtungen wieder deutlich zurückgegangen.

Man kann gespannt sein, ob sich der Trend fortsetzt oder ob es wieder Ausschläge nach oben geben wird.
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